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Geschichte der Kieler Stadtreinigung

Gruppenbild der Leitung der Kieler Stadtreinigungsanstalt, Gutenbergstraße im Jahr 1911
Die Leitung der Kieler Stadtreinigungsanstalt vor dem Verwaltungsgebäude in der Gutenbergstraße im Jahr 1911

Die Stadtreinigung Kiel kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken. Der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel ist mit dieser Geschichte eng verbunden, auch wenn der Betrieb heute kaum noch an die damalige Zeit erinnert:

1563

Aus diesem Jahr stammen die ersten nachweislichen Reinhaltungsvorschriften für die Stadt Kiel. Eine Eintragung in die Polizeiverordnung ("Burspake") ordnet unter 60 Schilling Strafe an, "dat eine jeder vor siner Döre de Straten reinholde und alle Sonnavende den Dreck hernwech up den Wall bringe..."

1728

Auf Anordnung des in Kiel residierenden Herzogs von Holstein -Gottorp wird eine hochfürstliche Straßenordnung erlassen, die unter der Überwachung eines sogenannten Gassenherrn die geregelte Straßenreinigung vorsieht. Es durfte kein Unrat auf die Straße geworfen werden, sondern er sollte in hölzernen Balgen gesammelt und aufgehoben werden, bis die... "zur Reinigung der Gassen bestellten und wenigstens ein- und wann es nötig ist, zweymal in der Woche alle Gassen durchgehende Wagen oder Karren es zugleich mit auf- und wegnehmen können."

1892

Vor dem Hintergrund starken Bevölkerungszuwachses erweist sich die geltende Form der Straßenreinigung als unzulänglich. Am 3. Juli 1891 beschließt die Stadt, eine eigene Straßenreinigungsanstalt zu gründen, die an der Ecke Eckernförder Chaussee und Gutenbergstraße mit einem Kostenaufwand von 162.000 Mark erbaut wird. Am 1. April 1892 nehmen dort 70 Arbeiter ihren Dienst auf. Ihre Aufgaben umfassen: die Reinigung der Straßen, die Abfuhr des Haus- und Straßenkehrichts, die Reinigung der Schlammkisten sowie die Bespannung der Feuerlöschwagen, des Desinfektionswagens und des Transportwagens für Gefangene. Die Inbetriebnahme der Straßenreinigungsanstalt kann als stadthistorisches Ereignis bezeichnet werden.

1899

Kinder hüpfen barfuß im Spritzwasser eines Sprengfuhrwerks, das von einem Pferd gezogen wird, um 1905
An die Stelle der im Gründungsjahr festgelegten Tätigkeiten treten noch vor der Jahrhundertwende die elementaren Aufgaben der Straßenreinigungsanstalt. Zu ihnen zählen nach wie vor die Straßenreinigung, die Müllabfuhr und die Reinigung der Schlammkisten, hinzu kommen aber die Straßenbesprengung, die Reinigung der öffentlichen Bedürfnisanstalten, die Reinigung der Kanalisation und der Regenwassereinläufe, die Abdeckereien, die Räumung von Schnee und Eis sowie die Fäkalabfuhr.
Mit dem Beschluss zur Übernahme der Fäkalabfuhr durch die Anstalt reagiert die Stadt auf die zunehmende Nachlässigkeit der verschiedenen Privatunternehmen, die bis zu diesem Zeitpunkt diese Dienstleistung übernommen haben. Dafür entfällt mit Wirkung vom 1. April 1899 die Bespannung der oben genannten Fahrzeuge. All diese Tätigkeiten werden, sofern erforderlich, bis Mitte der zwanziger Jahre ausschließlich mit Pferdefuhrwerken verrichtet.

1901

Pferdefuhrwerke der Stadtreinigung Kiel, Gutenbergstraße 1915
Im September 1901 nimmt eine Fäkaldüngerfabrik ihren Betrieb auf, wovon das östlich angrenzende Wohnviertel noch heute Zeugnis ablegen kann, wird es doch seitdem Stinkviertel genannt. Die Fäkalien werden durch Behandlung mit Schwefelsäure in einem speziellen Dampfverfahren zu hochwertigem und versandfähigem Dung verarbeitet.

1905

Zwei Müllarbeiter posieren mit einer runden Mülltonne mit ihren Lederschürzen vor der Pferdemüllkutsche, um 1915
Um eine Behinderung der Stadtbevölkerung am Tage zu vermeiden, findet die Hauptreinigung der Straßen nachts statt, wobei die Altstadt sowie die verkehrsreichen Straßen sechsmal wöchentlich, die übrigen Viertel hingegen zweimal wöchentlich gesäubert werden. Die Mitarbeiter des Straßenreinigungsdienstes übernehmen auf ihren Touren auch die Säuberung der öffentlichen Bedürfnisanstalten. Im Jahr 1905 verfügt die Stadt über 38 Bedürfnisanstalten mit einer Gesamtfläche von 267 m².

1906

Zufahrt zur Müllverbrennungsanlage Grasweg im Jahr 1906
Die Müllbeseitigung entwickelt sich aufgrund des starken Bevölkerungszuwachses zu einem herausragenden Hygieneproblem. Im März 1905 beschließt die Stadt den Bau einer der Müllverbrennungsanstalt, die bereits im Dezember 1906 im Grasweg ihren Betrieb aufnehmen kann. Damit einhergehend wird in Kiel das äußerst fortschrittliche und hygienische Wechseltonnensystem eingeführt. Das System der nächtlichen Müllabfuhr wird aufgegeben.

1919

Die Fäkaldüngerfabrik wird im August 1919 geschlossen, weil infolge der schlechten Ernährungslage die Fäkalien kaum noch Pflanzennährstoffe enthalten und somit als Dünger unbrauchbar sind.

1922

Am 1. April 1922 wird die Müllverbrennungsanlage am Grasweg aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen und in eine an ein modernes Müllsortiersystem angeschlossene Verwertungsanstalt umgebaut. Diese Anstalt wird 1923 fertiggestellt und 1924 an eine Aktiengesellschaft verpachtet.

1925

Eine der ersten Straßenkehrmaschinen in Kiel 1927
Der erste treibstoffbetriebene Müllwagen wird in den Fuhrpark der Straßenreinigungsanstalt aufgenommen. Bis 1927 kommen zwei Kehrmaschinen und zwei für andere Zwecke umrüstbare Motorsprengwagen hinzu. Dieser Umstellungsprozeß wird kontinuierlich fortgesetzt, so dass 1938 nur noch 30 Pferde in den Stallungen stehen.

1931

Die Müllverbrennungsanstalt wird geschlossen. Zum einen, weil keine wirtschaftliche Aufbereitung der Müllverbrennungsschlacke gefunden werden konnte, zum anderen, weil seit Mitte der zwanziger Jahre private Abfuhrunternehmen die Müllabfuhr gegen zum Teil günstigere Gebühren durchführten, indem sie den Müll auf eigene Deponien und nicht zur Müllverbrennungsanlage brachten. Das war möglich, weil eine obligatorische Müllabfuhr durch die Stadt nicht vorgeschrieben war.

1937

Kieler Müllfahrzeug vor Knudsen 1935
Es gibt mittlerweile 15 private Abfuhrunternehmer in Kiel.
Das Stadtgebiet wird in 16 Abfuhrbezirke eingeteilt, von denen die Straßenreinigungsanstalt den Bezirk Innenstadt erhält und den angrenzenden Bezirk eines Unternehmers, der die Abfuhr aufgeben musste.

1948

Kehrkolonne in der Kieler Innenstadt vor Meislahn, um 1948
Noch 1948, im Jahr der Währungsreform, sind die Mitarbeiter der Straßenreinigungsanstalt in erster Linie mit Instandsetzungsarbeiten infolge der Bombenschäden beschäftigt. Das Amt ist auf sein Improvisationsvermögen angewiesen und kann dabei auf die interne Werkstatt zurückgreifen. In Eigenleistung wird eine Tankstelle auf dem Betriebsgelände aufgebaut, die sämtliche städtische Dienststellen mit Treibstoff versorgt. Spreng- und Müllwagen werden von den Mitarbeitern zu dringend benötigten Kehrichtwagen umgebaut.

1953

feierliche Einweihung eines neuen Sprenwagens auf dem Betriebshof in der Gutenbergstraße, 1956
Nach dem 2. Weltkrieg bilden sich erst mit Beginn der fünfziger Jahre die Konturen der Städtischen Straßenreinigungsanstalt neu heraus. Der Anstalt sind die Straßenreinigung mit angeschlossener Kleintiersammelstelle, die Müllabfuhr, die Bedürfnisanstalten, die Kraftfahrzeug- und Heizungswerkstatt sowie die Kraftwagenstelle unterstellt. Mit dem Neubeginn geht die Umbenennung der "Städtischen Straßenreinigungsanstalt" in "Stadtreinigungs- und Fuhramt" einher.

1975

Müllfahrzeuge auf dem Betriebshof Gutenbergstraße, um 1970
Die vielzitierte "Mülllawine", die seit der Nachkriegszeit in immer bedrohlicherem Umfang zugenommen hat, rückt die Müllverbrennung wieder in das öffentliche Interesse. Zum einen, weil die Deponien teilweise bereits überlastet sind, zum anderen, weil der Brennwert des Abfalls im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs derart zugenommen hat, dass der durchschnittliche Heizwert des Abfalls aus Stadtkreisen fast 8000 kJ/kg beträgt (zum Vergleich: Die Höchswerte der ersten MVA in Kiel lagen ca. 50% niedriger). 1971 sind in der Bundesrepublik 30 Müllverbrennungsanlagen in Betrieb. 1975 wird in Kiel eine mit Rauchgasreinigung ausgestattete Müllverbrennungsanlage in Betrieb genommen. In den ersten 5 Jahren mit zwei Kesseln, die jeweils 5 Tonnen pro Stunde verbrennen.

1980

Eine Reihe von Elektrofahrzeugen für die Straßenreinigung, 1977
Die Kieler Müllverbrennungsanlage erhält einen dritten Verbrennungskessel mit einem Fassungsvermögen von 10 t/h. Ab 1982 werden der Anlage auch Abfälle aus dem Kieler Umland zugeführt.

1986

Die Stadt verabschiedet ein Wirtschaftskonzept mit den Schwerpunkten Abfallvermeidung und Abfallverwertung. Mit Hilfe von Röhrencontainern werden Papier und Pappe, Altglas und Metall an zentralen Plätzen gesammelt. Erste Versuche zur getrennten Erfassung von Bioabfall am Haushalt mit einer grünen Ringtonne, die Sammlung von Gartenabfall im Frühjahr und Herbst, die Förderung von Eigenkompostierung mit Hilfe von Lattenkompostern und Häckseldiensten sowie die getrennte Erfassung schadstoffhaltiger Abfälle beginnen.

1991

Leerung einer Papiertonne am Müllfahrzeug im Winter
Das Stadtreinigungs- und Fuhramt führt in Kiel die blaue Tonne für Papier ein, die für jeden Haushalt obligatorisch ist. Gleichzeitig werden die Ringtonnen abgeschafft und genormte Müllgroßbehälter, eckige Tonnen mit Rädern, eingeführt. Die größeren Restmüllbehälter ermöglichen einen obligatorischen Abfuhrrhythmus von einmal wöchentlich statt bisher zweimal wöchentlich. Mit dem Jahreswechsel 1990/91 hält die Firma Schreiber (Waste Management) in Kiel Einzug und übernimmt im Auftrag der Stadt die Abfuhrbezirke der privaten Abfuhrunternehmen. Schreiber nutzt das sogenannte MSTS-System mit der speziellen Diamond-Schüttung.

1992

Im Jahr des 100jährigen Bestehens wird das "Stadtreinigungs- und Fuhramt" in "Amt für Abfallwirtschaft und Straßenreinigung" umbenannt. Damit wird ein über viele Jahre dauernder Prozeß der Umgestaltung und Neuorientierung in der Entsorgungswirtschaft zum Ausdruck gebracht. Abfallvermeidung, Abfallverwertung und Umweltschutz sind Aufgabenschwerpunkte geworden.
Im selben Jahr wird die braune Tonne für Bioabfall (Biotonne) stadtteilweise eingeführt, zunächst als Pilotprojekt und auf freiwilliger Basis. Die Stadt stellt spezielle Abfallberater ein.

1993

Die Duales System Deutschland GmbH (DSD) führt auch in Kiel die Gelbe Tonne/ den Gelben Sack für Verpackungsmaterialien ein.

1996

Betriebshof Daimlerstraße an einem Tag der offenen Tür
Das "Amt für Abfallwirtschaft und Straßenreinigung" wird von einem städtischen Regiebetrieb in einen städtischen Eigenbetrieb mit dem neuen Namen "Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK)" umgewandelt. Am 16. Dezember verläßt der neue Eigenbetrieb den 1892 eingerichteten Betriebshof Ecke Eckernförder Straße und Gutenbergstraße und bezieht den umgebauten Betriebshof der ehemaligen Kieler Milchzentrale in der Daimlerstraße.
Im selben Jahr wird die Müllverbrennungsanlage Kiel komplett umgerüstet und auf den neusten Stand der Technik gebracht. In seinen beiden Verbrennungslinien behandelt das Heizkraftwerk stündlich insgesamt bis zu 17,5 Tonnen Abfälle.

2004

Gestapelte Papierpressballen
Am 1. Januar weiht der ABK eine Papierpressanlage auf dem Betriebsgelände Daimlerstraße 2 ein. Die losen Altpapiermengen aus Kiel werden hier zu Ballen verpresst für den Weitertransport zu Verwertungsanlagen. Es entstehen neue Arbeitsplätze. Die Gewinnbeteiligung an der Altpapierverwertung führt zu Gebührensenkungen für die Kieler Bürgerinnen und Bürger.

2009

3 Mitarbeiter vom Wertstoffhof
Am 2. Januar öffnen die beiden neuen ABK-Wertstoffhöfe Kiel in der Daimlerstraße 2 und im Klausdorfer Weg 177 ihre Tore. Ökonomisch- ökologisch - sozial. Der ABK schaftt hier wirtschaftlich erfolgreiche Altstoff-Servicestellen für die Kieler Bürgerinnen und Bürger, spart so Gebühren für die Beteiligung an privaten Sammelanlagen und schafft neue Arbeitsplätze.

2012

Gruppenbild von ABK-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor orangen Kommunalfahrzeugen
Die Ratsversammlung hatte den Weg freigegegeben für die Entsorgung des gesamten Kieler Stadtgebietes durch den städtischen Eigenbetrieb ABK. Mit Beginn des Jahres 2012 entsorgt der ABK neben Bioabfall und Sperrmüll nun auch Papier und Restabfall flächendeckend in Kiel. Viele Mitarbeiter der ehemals drittbeauftragten Entsorgungsfirma werden Mitarbeiter im ABK.

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